VergleichLVW_Nagler_35

Vergleichstest LVW 3,5 mm und Nagler 3,5 mm

    Mainz, 28.04.2005

    ich habe gestern abend zum ersten mal die Möglichkeit gehabt ein LVW 3,5 mm von Vixen direkt mit einem Nagler Typ 6 3,5 mm von Tele Vue zu vergleichen, leider zunächst nur mit meinem kleinen Schnellspechtel-Refraktor (verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf einen Vergleichstest , welcher auch das Pentax XW 3,5 mm mit einbezieht.

    Ort: südlich von Mainz, dunkler Himmel nach Süden
    Seeing: 2-3/5, eher mäßig
    Durchsicht: 1-2/5, ziemlich gut
    Zeitraum: 23-0:30 MESZ
    Gerät: Tele Vue Ranger D=70 mm, f/6,9, V=137 x
    Objekte: Jupiter, Saturn, M3, M13

    Hier die Ergebnisse:

    Jupiter:

    Das LVW bildet Jupiter abgesehen von Seeing-bedingten Schwankungen scharf ab und das annähernd bis zum Gesichtsfeldrand. Der Farbeindruck des Jupiter ist recht kühl, erstaunlich für ein Okular mit 8 Linsen. Am Jupiterrand leichte Farbe (blauviolett), bedingt durch die nicht ganz farbreine Optik des Ranger. Auf Jupiter konnten NEB, SEB, ein dünneres Band südlich des SEB sowie dunklere Polregionen erkannt werden, sonst keine besonderen Details (schlechtes Seeing). Um Jupiter herum erscheint ein leichter Halo, wie er typischerweise bei hellen Objekten sichtbar ist, er wirkt aber nicht störend.

    Das Nagler bildet Jupiter auf der Achse einen Tick schärfer ab als das LVW, der Farbsaum um Jupiter ist etwas geringer (minimal) und der Farbton von Jupiter ist etwas wärmer. Am Bildfeldrand ist die Abbildung schlechter als beim LVW und Jupiter wird deutlich verzerrt (dafür ist das Gesichtsfeld mit 82 aber auch noch deutlich größer als beim LVW mit 65). Der Himmelshintergrund im Nagler erscheint etwas dunkler als im LVW, auch ist der Halo um Jupiter herum etwas schwächer ausgeprägt (ich vermute, dass aufgrund geringfügig besserer Coatings oder Linsenschwärzung beim Nagler weniger Streulicht produziert wird). Ansonsten zeigte das Nagler unter den gegebenen Bedingungen nicht mehr Details auf Jupiter als das LVW. Die Jupiterscheibe zeigt sich im LVW einen Tick heller als im Nagler.

    Saturn:

    Das LVW bildet Saturn abgesehen von Seeing-bedingten Schwankungen (Saturn stand doch schon recht tief im SW) scharf ab. Aufgrund der geringeren Helligkeit im Vergleich zu Jupiter gibt es kaum Farbsäume am Rand. Saturn zeigte sehr natürliche Farben, Cassini-Teilung aussen (nicht umlaufend), Schatten der Planetenscheibe auf dem Ring, sowie Schatten des Rings auf der Saturnscheibe waren sichtbar, das äquatoriale Wolkenband war andeutungsweise sichtbar.

    Auch hier erscheint der Farbton des Saturn im Nagler etwas wärmer. Die Schärfe auf der Achse ist auch hier, wie bei Jupiter, einen kleinen Tick besser, ohne aber mehr Details zu zeigen als das LVW. Die Unterschiede in der Abbildungsleistung beider Okulare sind aber bei Saturn insgesamt sehr gering.

    M3:

    Der Kugesternhaufen zeigt im LVW bei indirektem Sehen eine leichte Granulation und hebt sich deutlich vom dunklen Himmelshintergrund ab. Sterne, welche gemeinsam mit M3 im Gesichtsfeld stehen, werden sauber und fast punktförmig abgebildet.

    Das Nagler zeigt am Sternhaufen ebenfalls nur eine leichte Granulation, die Sterne im Gesichtsfeld erscheinen aber noch etwas nadelpunktförmiger als im LVW, der Himmelshintergrund erscheint im Nagler einen Tick dunkler.

    M13:

    Die generelle Abbildung des LVW ist wie bei M3 bereits beschrieben, in M13 sind deutlich einzelne Sterne vor einem Nebel erkennbar (M13 hat im Vergleich zu M3 die helleren Einzelsterne).

    Im Nagler sind ebenfalls Einzelsterne sichtbar aber einen Tick deutlicher als im LVW.

    Generelles Fazit:

    Beide Okulare sind absolute Spitzenklasse. Das LVW hat den größeren Augenabstand (20 mm) und ist somit für Brillenträger eindeutig besser geeignet, zumal die Angabe beim Nagler (12 mm) etwas optimistisch erscheint. Um das komplette Gesichtsfeld des Naglers überblicken zu können, ist eine Beobachtung ohne Brille erforderlich! Das LVW hat aber im Vergleich zum Nagler ein etwas unruhigeres Einblickverhalten, man muß sehr genau entlang der optischen Achse blicken, um Blackouts zu vermeiden (funktioniert aber ganz gut, wenn man den Augenrand oder die Brille auf den Rand der Gummimuschel des LVW auflegt). Beide Okulare (insbesondere das LVW) sind für ein so kurzbrennweitiges Okular schon recht schwer. Das Nagler scheint auf der Achse minimal schärfer abzubilden als das LVW, wohingegen das LVW eine geringfügig bessere Transmission zu haben scheint (ersterer Punkt scheint bei der Wahrnehmung schwächster Sterne von größerer Bedeutung zu sein). Am Bildfeldrand bildet das LVW schärfer ab. Das Nagler hat mit 82 das größere Gesichtsfeld und ist damit wohl für Dobson-Teleskope besser geeignet, weil einfacher nachführbar und leichter. Ingesamt sind die Unterschiede in der Abbildungsleistung meiner Meinung nach sehr gering. Das Nagler ist ca. 50 EUR teurer als das LVW. Ob der Mehrpreis gerechtfertigt ist, muß jeder individuell für sich entscheiden. Ich persönlich werde auf das Nagler umsatteln, wenn es mir gelingt, mein LVW für einen vernünftigen Preis zu verkaufen. Ausschlaggebend sind dabei das etwas bessere Einblickverhalten, das geringere Gewicht und die geringfügig bessere Schärfe auf der Achse des Nagler. Ich hoffe jedoch noch einen Vergleich an meinem ED102SS machen zu können, spätestens auf dem ITV 2005.

    Grüße
    Thomas

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