doppelkolibri

Doppelkolibri als Universalfernglas

    Auf der AME 2016 habe ich mehr oder weniger durch Zufall durch die neu erschienenen Celestron Hummingbirds geschaut und war sehr angetan von der optischen Leistung dieser kleinen Spektive mit ED Optik. Sie haben Objektivdurchmesser von 50mm bzw. 56mm und werden mit einem einfachen Zoom-Okular mit relativ kleinem Gesichtsfeld geliefert (7-22x bzw. 9-27x). Das Besondere an diesen Spektiven ist die 1,25"-Wechselokularfassung, die den Einsatz von beliebigen 1,25"- Okularen erlaubt. Insbesondere der Einsatz mit einem 9mm Morpheus Okular war sehr beeindruckend und mir kam sofort der Gedanke, daraus ein kleines Doppelfernrohr zu bauen. Die Vorteile lägen auf der Hand:

    • Sehr gute Abbildung durch den Einsatz hochwertiger Okulare
    • Große scheinbare Gesichtsfelder durch den Einsatz von Weitwinkelokularen
    • Vergrößerung und Austrittspupille frei wählbar
    • Entspannte Beobachtung durch 45°-Schrägeinblick
    • Durch geringes Gewicht noch freihändig einsetzbar

    ein Universalfernglas quasi.

    Laut Herstellerangabe sollte das kleinere der beiden einen Durchmesser von 58mm, das größere einen Durchmesser von 64mm haben, was bedeutete, dass bei meinem Augenabstand von 64mm nur die kleine Variante in Betracht kam. Tatsächlich bezieht sich die Angabe des Gerätedurchmesser aber wohl auf den vorderen Tubusteil, die Gummiarmierung etwas dahinter weist aber eine maximale Breite von 64mm auf, so dass dies auch den minimalen Augenabstand darstellt. Glück gehabt, passt gerade eben für meinen Augenabstand! Die Brennweite des kleinen Hummingbirds wird mit 170mm angegeben, was einem Öffnungsverhältnis von f/3,4 entspricht. Dies würde hohe Anforderungen an die Okulare stellen, doch dazu später mehr. Die Initialzündung für den Bau wurde dann zufällig durch den Erwerb einer selbstgabauten Binoplattform, die für den parallelen Einsatz zweier PST ausgelegt war, geliefert. Sodann wurden zwei 50mm Hummingbirds bestellt und das Projekt umgesetzt!

    Der Doppelkolibri auf seiner Plattform, montiert auf einem Manfrotto-Getriebeneiger, so hat man eine optimale Halterung mit Feineinstellung auch bei höheren Vergrößerungen. Die Binoplattform besteht aus je einer Wippe, die in der Höhe oder im Azimut verstellbar ist und jeweils auf einer Prismenklemme montiert ist. Die Prismenklemmen können auf einer Kunststoff- Schiene, verschoben werden, um den Augenabstand einzustellen. Mit den alternativ an der Schiene montierbaren Handgriffen für eine freihändige Beobachtung, wiegt der Doppelkolibri nur 1,8kg ohne Okulare. Dies liegt im Bereich vergleichbarer Komplettferngläer mit 50mm Öffnung.
    Mit zwei an der Prismenschiene montierten Handgriffen aus dem Kamerabedarf, lässt sich der Doppelkolibri bequem freihändig benutzen. Durch den 45°-Einblick kann man dabei die Oberarme am Körper herunterhängen lassen und zur Stabilisierung leicht an den Oberkörper pressen. Beobachtungen im Zenit sind so auch möglich, ohne sich den Nacken verenken zu müssen, wie bei einem geradsichtigen Fernglas. Dies funktioniert auch noch bei einer Vergrößerung von 18x, wie sie mit zwei Morpheus 9mm erreicht wird. Bei höheren Vergrößerungen ist der Einsatz eines Stativs empfehlenswert.
    Die Binoplattform besteht aus jeweils federgelagerten Alubalken in einer Aluschiene, der eine nach oben und unten, der andere nach links und rechts bewegbar, jeweils über einer Schraube mit Feingewinde. Damit der Links/Rechts-Balken Bewegungsfreiheit hat, wurde er vorne und hinten jeweils etwas trapezförmig angefeilt. Als Drehknöpfe dienen alte Schneckenräder von einer Montierung. Die Balken haben jeweils eine Durchbohrung durch die von unten mittels einer 1/4" Schraube ein Kolibri montiert werden kann. Die Verstellelemente sitzen jeweils auf einer Schnellklemme mit Vixen-Level und können zum Einstellen des Augenabstandes auf einer Kunststoff-Vixen-Level-Schiene verschoben werden. Das ganze ist schlicht, nicht schön gemacht aber sehr funktional.
    Die Okulare sitzen in einer Hülse mit Klick-Lock-Mechanismus, welche sehr passgenau gefertigt sind. Die Okulare sind teilweise schwierig in die Hülse einzuführen, weil wegen der guten Passgenauigkeit die Luft von innen nicht so gut entweichen kann. Die Okulare sitzen dadurch aber satt und sehr gut zentriert in der Steckhülse. Beim Blick in die Okularsteckhülse fällt eine Art breiter Stopring auf, der ein Aufsetzen der Okularhülse auf dem Prisma verhindert und Streulich von den Prismenrändern abblockt. Sein Durchmesser beträgt etwa 23mm, was deutlich kleiner ist, als die maximal mögliche Feldblendenöffnung bei 1/4" Okularen und somit zu Vignettierung und Gesichtsfeldbeschneidung führt, wenn z.B 24mm Panoptics eingesetzt werden.
    Das Prisma scheint insgesamt auch etwas klein ausgefallen zu sein, beim Blick von vorne in die Optik wird eine dunkle Kante sichtbar die am runden Durchlasskreis eine Art "Flat" erzeugt. Dies sorgt bei der Beobachtung mit Okularen maximaler Feldblende (z.B. 24mm Panoptics) für eine flache Abschattung am oberen Bildfeldrand, die aber gar nicht so störend auffällt, das Auge scheint mehr auf Rechts/Links-Wahrnehmung als auf Oben/Unten-Wahrnehmung trainiert zu sein. 19mm Panoptic Okulare sind aber bereits voll ausgeleuchtet und nicht vignettiert. Die Scharfstellung erfolgt relativ spielfrei über einen Drehring am vorderen Tubus des Kolibri und funktioniert auch bei höheren Vergrößerungen mit ausreichender Genauigkeit.

    Erste Beobachtungen mit dem Doppelkolibri zeigten am Mond und Venus ein knackig scharfes, farbreines Bild. Erst bei Vergrößerungen oberhalb von etwa 50x bildet sich an Venus ein violetter Saum aus. Die Sternabbildung ist mit den 24mm Panoptics (7x) sehr gut mit ganz leichter Randunschärfe im äußeren Drittel des Gesichtsfeldes die Morpheus 12,5mm (14x) und 9mm (18x) zeigen über das gesamte Feld eine sehr gute Sternabbildung. Die Morpheus 17,5mm würden 10x Vergrößerung liefern, bei einer AP von 5mm und wären perfekt für dieses Bino (sind bereits vorgemerkt). Die 19mm und 15mm Panoptics funktionieren leider gar nicht gut mit diesem schnellen Öffnungsverhältnis und weisen bereits ab etwa der Hälfte des Gesichtsfeldes extrem starke, komatöse Ausbuchtungen an Sternen auf. Andere Okulare werde ich zu gg. Zeit testen, denke aber, dass die üblichen Okularkandidaten, welche an schnellen Teleskopen scharf abbilden, hiermit auch gut funktionieren werden. Mit keinem Okular waren irgendwelche Geisterbilder (doppelte AP) auszumachen, wie sie manchmal bei billigen Binoansätzen auftreten. Alles in allem ist die Abbildung des kleinen Doppelkolibri sehr ansprechend und kann mit Sicherheit mit den besten Ferngläsern in dieser Öffnungsklasse mithalten und das bei vergleichsweise riesigen scheinbaren Gesichtsfeldern sowie variabel einstellbaren Vergrößerungen. Ich bin gespannt, was der kleine Doppelkolibri am Himmel noch alles zeigen wird!

    Clear Skies
    Thomas

Nach oben

www.blackskynet.de | Diese Seiten sind optimiert für eine Auflösung von 1024x768 Pixel | Impressum