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Tuning des Hofheim-Reisedobsons

    Beim Hofheim-Reisedobson handelt es sich um ein ausgezeichnetes Fernrohr mit einer gut durchdachten Konstruktion. Das Gerät ist ein 200mm f/4 Newton, welcher in eine Box von ca. 20x30x30 cm³ zusammenfaltbar ist. Die ganze Kiste wiegt nur etwa 8 kg und kann problemlos als Handgepäck im Flugzeug mitgenommen werden. Das Gerät wurde in dieser Form erstmalig von Michael Koch entwickelt und dann von Hofheim-Instruments zur Serienreife geführt. Ein Firstlight-Bericht findet sich hier. Das Gerät hat mir innerhalb kürzester Zeit sehr viel Freude bereitet, neben guter Lichtsammelleistung bietet es nämlich Dank kleiner Obstruktion von 25% auch am Planeten eine beachtliche Leistung. Vor allem solche Sternfreunde, die ein kompaktes Reisefernrohr im 8"-Bereich suchen aber nicht die Möglichkeiten haben aufwendigere handwerkliche arbeiten durchzuführen, sind meiner Meinung nach mit diesem Gerät sehr gut bedient. Nichts desto trotz gibt es an dem Gerät noch einige Möglichkeiten der Verbesserung bzw. des Selbstbaus sinnvoller Zubehörteile, welche mit vergleichsweise geringem Aufwand durchgeführt werden können. Insbesondere einige Zubehörteile, welche von Hofheim-Instruments angeboten werden sind vergleichsweise teuer können aber mit relativ geringem Aufwand auch selbst hergestellt werden.

    Im Folgenden wird der Selbstbau einiger nützlicher Zubehörteile für den Reisedobson beschrieben:

    1) Halterung für einen Quickfinder

    Für den Reisedobson wird vom Hersteller zwar ein Leuchtpunktsucher angeboten, jedoch ist dieser für Leute, die lieber mit Zielkreisen arbeiten oder bereits einen kompakten Peilsucher (wie z.B. den Rigel Quickfinder) dieser Bauart besitzen, nicht geeignet bzw. nicht erforderlich. Mit relativ einfachen Mitteln kann ein Quickfinder am Reisedobson angebracht werden. Da auf dem Hutring des Dobsons nicht genügend Platz vorhanden ist, um die Basis des Quickfinders dort direkt zu befestigen, wird einfach eine Halteplatte für die Basis des Quickfinders mit einer zentralen Bohrung am unteren Ende verwendet. eine zweite Bohrung wird einfach in den Hut des Reisedobsons gebohrt. Einziger Nachteil ist, dass nach Einbringung dieser Bohrung die Lage des Fokussierers (links- oder rechtsseitig) endgültig festgelegt wird.
    Metallplatte mit zwei Bohrungen, eine in der Mitte zur Befestigung der Basis des Quickfinders auf der Platte und eine am Rand zur Befestigung der Platte am Hutring. Da die Platte sich in der nähe des Umlenkspiegels befindet, wird die Unterseite zur Vermeidung unnötiger Refexionen mit schwarzem Schultafellack angestrichen.
    Die Halteplatte für den Quickfinders wird einfach am Hutring mit einer Flügelmutter festgeschraubt. Die Hozplatte der Zollstockklemmung dient dabei als Anschlag zur groben Ausrichtung. Da der Rigel Quickfinder vergleichsweise hoch aufragt, ist ein einfacher Einblick gewährleistet, ohne seinen Kopf an den Gittertubus des Dobsons pressen zu müssen.
    Die Verwendung des Quickfinders am Reisedobson hat sich bewährt und ermöglicht das kinderleichte Auffinden der Himmelsobjekte. Der Finder stellt aber auch ein zusätzliches Gewicht dar, das beim Einsatz schwererer Okulare, wie z.B. dem 27 mm Panoptic, zu einer leichten Kopflastigkeit des Geräts führen kann, trotz des Einsatzes zweier Friktionssysteme. Im Folgende wird daher der Bau eines einfachen Gegengewichts beschrieben.

    2) Magnethalterung als Ausgleichsgewicht

    Der Hofheim-Dobson kann mit zwei Friktionssytemen ausgestattet werden, wobei zu empfehlen ist wirklich beide Systeme zu verwenden, da ansonsten ein Drehmoment auftritt, welches nach mehrfacher Betätigung der Azimutverstellung zum Anschlag des Spiegelkastens an der Innenseite der Rockerbox auf der Seite des Friktionssystems führen kann. Aber auch bei Verwendung zweier Friktionssysteme kann bei Einsatz schwerer Okularer und Quickfindersucher das System bei geringem Azimutwinkel kopflastig werden und langsam nach unten driften. Um diesem entgegenzuwirken kann einfach eine 0,5 mm dicke Metallplatte mit Doppelklebeband auf der Oberseite des Spiegelkastens befestigt werden auf der wiederum einfache Küchenmagnete, wie sie fast überall bereits vorhanden sind, als Gegengewichte angeheftet werden können.
    Metallplatte mit Doppelklebeband auf der Oberseite der Spiegelbox befestigt, mit darauf befestigten Küchenmagneten als Ausgleichsgewichte. Die Magnete lassen sich leichtgängig verschieben, um die Balance des Systems einzustellen, bleiben beim Betrieb des Dobsons aber positionsstabil.

    3) Anti-Streulichthülle

    Die Anti-Streulichthülle dient dazu den offenen Gitterrohrtubus gegen externes Streulicht abzuschirmen. Zwar bietet Hofheim-Instruments eine solche Hülle an, der Preis ist aber mit 80,- EUR relativ hoch, zumal, wenn man bedenkt, dass die Materialkosten und der Aufwand für den Selbstbau eher gering sind. Für ca. 15,- EUR bekommt man in jedem Kaufhaus ein Stück schwarzes Tuch, Gummizugband und Klettverschlußband. Der Rest bedarf nur noch des Zugangs zu einer einfachen Nähmaschine und der Hilfe einer Person, die damit umzugehen vermag (Vielen Dank an dieser Stelle an meine Ma ;-).
    Anti-Streulichthüle mit leicht trapezförmigem Zuschnitt sowie eingenähten Klettbändern zum Verschluß der Hülle am Gittertubus entlang der Längsachse und Gummibändern am oberen und unteren Rand zur späteren Fixierung am Tubus.
    Die Anti-Streulichthülle verhindert erfogreich das Eindringen von Streulicht von unterhalb des Hutringes. Der Hutring des Dobsons ist jedoch vergleichsweise niedrig ausgelegt, so dass auch von der Oberseite des Hutes Streulicht direkt in den Okularauszug gelangen und somit zu einer enormen Kontrastminderung führen kann. Dieser Punkt sollte nicht unterschätzt werden, da sich schon eine ungünstige Stellung heller Planeten, wie Venus oder Jupiter, bei der Deep-Sky Beobachtung durch störende Bildaufhellung bemerkbar machen kann. Um dem entgegenzuwirken, muss auch auf der dem Fokussierer gegenüberliegenden Seite eine Streulichtblende installiert werden.

    4) Gegenlichtblende

    Eine Gegenlichtblende kann relativ einfach mittels eines Stücks Moosgummis, welches in jedem Bastelladen erhältlich ist, realisiert werden. Dazu wird ein halbkreisförmiges Stück zugeschnitten mit drei Löchern versehen, für die Durchführung der Muttern der Fangspiegelhalterung, und am unteren Rand mit selbstklebendem Klettband versehen. Das Gegenstück des Klettbandes wird auf den oberen Rand des Hutes geklebt, fertig.
    Fertig montierte Gegenlichtblende auf der gegenüberliegenden Seite des Drehfokussieres. Somit wird der direkte Einfall von Streulicht in den Okularauszug verhindert.

    Hofheim-Reisedobson mit komplettem Zubehör, montiertem Quickfinder-Peilsucher, Anti-Streulichthülle, Gegenlichtblende, Magnetgegengewichten und Sonnenfilter (s.u.). Das ganze läßt sich in einem kleinen Rucksack unterbringen!

    4) Off-Axis-Sonnenfilter

    Das Haupteinsatzgebiet des Hofheim-Dobsons ist sicherlich die Deep-Sky-Beobachtung, dennoch kann manchmal auf Reisen der Wunsch aufkommen die Sonne zu beobachten. Wenn man dann kein spezielles Fernrohr als Zweitgerät dabei hat, kann man sich auch ganz gut mit dem Reisedobson behelfen. Dazu habe ich einen einfachen Off-Axis-Sonnenfilter aus Pappe mit 3" freier Öffnung gebaut. Dies führt zu einem obstruktionsfreien Teleskop mit apochromatischen Eigenschaften und einem Öffnungsverhältnis von etwa f/10. Dazu wird einfach etwa 3 mm dicke Pappe achteckig, entsprechend der Aussenmaße des Hutes zugeschnitten und mit einer 75 mm großen Öffnung außerhalb des Zentrums versehen, welche genau zwischen Fangspiegel- und Hauptspiegelrand liegen muss (gemessen an der Parallelen zur optischen Achse, welche durch das Zentrum der 3" Apertur läuft). Die Apertur wird von hinten unter Verwendung von Doppelklebeband mit einem Stück Baader-Sonnenfilterfolie verschlossen. Dann braucht man nur noch 4 Löcher im Zentrum der Pappscheibe anbringen, eines in der Mitte als Durchlass für die Fangspiegelfixierschraube, und drei als Durchführungen für die Fangspiegeljustierschrauben. Genau mit diesen wird der Sonnenfilter auch am Reisedobson fixiert. Dazu müssen zunächst alle drei Justierschrauben aus der Fangspiegelhalterung herausgeschraubt werden, was aber nicht schlimm ist, da der Reisedobson sowieso nach jedem Aufbau kollimiert werden muss. Der Pappfilter wird abschließend noch an den Kanten mit Holzleim versiegelt, um das eindringen von Luftfeuchtigkeit zu verhindern und mit schwarzem Schultafellack angestrichen.
    Achteckiger Off-Axis-Sonnenfilter mit Baader-Sonnenfilterfolie. Der Filter ist einfach herzustellen und passt problemlos mit in die Transportbox des Reisedobsons.
    Off-Axis-Sonnenfilter am Reisedobson im praktischen Einsatz, bei der totalen SOFI 2006 in der Türkei. Durch die obstruktionsfreie Öffnung ergeben sich scharfe und kontrastreiche Bilder der Sonnenoberfläche.
    5) Zusätzliche Fangspiegelstrebe

    Der Fangspiegel des Hofheim-Dobsons ist standardmäßig an drei Streben aufgehängt. Dies ist bei der Beobachtung durchaus ausreichend stabil, bei der Justage des Fangspiegels jedoch zu labil. Beim Justiervorgang kann es passieren, dass sich der Spiegel nach unten zum Hauptspiegel hin verbiegt, so dass nicht die wirksame Einstellung verfolgt werden kann. Um dem abzuhelfen wurde eine weitere M3-Gewindestange in Richtung Okularauszug eingezogen. Dazu musste in die Fangspiegelhalterung eine zusätzliche Bohrung inklusive Gewinde eingebracht werden. Dies erwiess sich als etwas kniffelig, da der Gewindegang einer der drei Justierschrauben die neue Bohrung kreuzte. Da aber die vierte Gewindestange nicht tief versenkt werden musste, war es kein Problem. Der Gewindegang der Justierschraube liess sich nach dem Bohren und Gewindeschneiden des M3-Gangs durch Eindrehen der Justierschraube leicht wieder freisetzen, da der Halter aus weichem Aluminium ist. Der Stabilitätsgewinn bei der Justage ist dadurch enorm angestiegen und die Justage ist wesentlich präziser durchführbar.
    Hut des Hofheim-Dobsons mit eingezogener, vierter M3-Gewindestangenstrebe. Bei der Gelegenheit wurde auch noch der Rand des Fangspiegels mit Schultafellack geschwärzt, um eine bessere Streulichtunterdrückung zu bekommen.

    Viele weitere sinnvolle Tuning-Tips findet man auch hier.

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