itv2012

ITV, Mai 2012

    Mommenheim, 10.06.12

    Das 21. Internationale Teleskoptreffen am Vogelsberg (ITV) sollte mein erstes richtige ITV werden, d.h. nicht nur zu Besuch als Tagesteilnehmer, sondern volle 4 Tage mit Zelt, Geraffel und nächtlicher Himmellsbeobachtung, doch der Wettergott wollte es anders, das Treffen mutierte zu meinem längsten H-Alpha-Treff überhaupt. Die Wettervorhersage hat sich leider in bester Manier bestätigt, nachts Bewölkung und tagsüber meist strahlender Sonnenschein. So auch bei der Ankunft am Himmelfahrts-Donnerstag, allerdings waren die Überreste eines starken Hagelschauers am Vorabend noch deutlich sichtbar, in Form von Schneehäufchen vor diversen Zelten und den Schattenbereichen der Hecken!
Wegen der doch schlechten Wetterprognosen, hatte ich nur meinen kleinen Reiseselbstbaudobson, mein APM-Bino und meinen Ranger mit H-Alpha Doublestack aus SM60 + PST Etalon dabei. Hier der Blick vom Zelt auf die hintere, untere Wiese, mit doch ganz gut gefülltem Terrain. Leider schien der Platz für die Jury der Selbstbauten etwas zu weit entfernt, so dass hier keine Begutachtung erfolgte, schade. Der Platz auf der unteren Wiese war aber auch aus anderen Gesichtspunkten nicht optimal, sehr feuchter Boden und Nebelbildung, wegen der Nähe zum See (die alten Hasen wissen das und ich wunderte mich schon, warum die Leute alle oben an der Hecke, welche den Blick nach Süden blockiert aufbauen: 2 Stunden länger Beobachten bei aufkommendem Bodennebel!), dafür aber recht windgeschützt.
In meiner direkten Nachbarschaft hatte sich Raffael Benner mit seinem riesigen 30" Dobson aufgebaut. Am Donnerstag Abend hatte ich die Gelegenheit bei einem mag2-Himmel in diesiger Dämmerung einen Blick auf M13 zu werfen, nicht auszudenken, was man mit dem Gerät unter dunklem Himmel sehen kann! Etwas gewöhnungsbedürftig aber schnell zu erlernen, das Beobachten hoch auf der Leiter. Man muss nur darauf achten, nicht runterzufallen, die Leiter selbst steht bombenfest und der Dobson läßt sich gut bewegen. Dieser erste Abend sollte der einzige sein, an dem Sterne zu sehen waren, danach setzte der allabendliche Regen ein, gefolgt von Sonnenschein tagsüber.
So wurde dann das 21. ITV zum längsten H-Alpha-Treff meines Lebens und Sonnenbeobachtung wurde zum Pflichtprogramm. Da bot sich natürlich der neue LUNT H-Alpha-Refraktor mit 200 mm Öffnung an, um ein paar schöne Blicke auf einige große Protuberanzen zu werfen. Neben dem großen LUNT gab es bei Martin Birkmaier auch ein Doppel-PST, was erstaunlich viel an Detailgewinn bringt, gegenüber einem Einzel-PST, aber etwas fummelig einzustellen bezüglich der Deckungsgleichheit der Bilder. Durch das neue ES 120 Okular konnte ich leider keinen Blick werfen, irgendwie habe ich es immer verpasst, Nils versicherte mir aber, dass der Rand des Gesichtsfeldes nur durch extreme Schräglage des Kopfes zu sehen war.

Sehr beeindruckend war der 16" Leichtbau-Dobson von Timm Klose mit einem ultradünnen Spiegel von Roland Herrmann, mit einer Dicke von 17 mm in f/4. Das Gesamtgewicht diese Teleskops beträgt nur etwa 13 kg, dank Carbon! Dieser Dobson läuft butterweich und da wackelt nichts bei der Nachführung. Kein Wunder, dass Mario sich von Timm einen ähnlichen Dobson mit Plattform in 20" Format bauen lassen will, um bei der Planetenfotografie neue Wege zu beschreiten. Prämiert wurde dieses Teleskop aufgrund der speziellen ITV-Regularien nicht, verdient hätte es dieses allemal.
Ein sehr schöner Dobson auf dem Platz war auch der neue Traveldob von Uli Vedder, mit 18" Öffnung f/4,1 und einem Gewicht von etwa 22 kg. Der Dobson hat das gewohnt schöne Finish mit einer Kombination aus Holz und Aluminium und Mono-Hutring-Design. Leider konnte ich aufgrund der schlechten Wetterbedingungen während der Nächte auch durch diese Teleskop keinen Blick werfen, naja, hoffentlich ein anderes mal!
Ebenfalls auf dem hinteren Wiesenbereich, der große 28" f/3,3 Dobson von Kai Kretschmer, als Lowrider ausgelegt. Dieses Teleskop wirkt auf den Betrachter etwas klobig, erlaubt aber das Beobachten ohne Leiter vom Boden aus. Es gehörte am letztjährigen ITV zu den prämierten Geräten und wurde von erfahren Selbstbaueren schon als die "Zukunft des Amateur-Teleskopbaus" bezeichnet.
Auf der mittleren Wiese, mit regem Treiben, hat Martin Birkmaier sein Equipment zum Testen aufgebaut. Ein wesentlicher Grund Teleskoptreffen zu besuchen, da man die Teleskope und Gerätschaften live testen und begutachten sowie natürlich auch mit anderen Geräten auf dem Platz vergleichen kann. So wurde dies auch von vielen Teilnehmern des ITV genutzt, auch wenn heuer nur tagsüber beobachtet werden konnte.
Höhepunkt des diesjährigen ITV war dann auch wieder die traditionelle Prämierung der besten Selbstbauten auf dem Platz. Einer der Prämierten war der "All in one box"-Reisedobson von Alfredo Segovia, mit 10" Öffnung und 10 kg Gesamtgewicht. Der Dobson ist sehr schön verarbeitet, mit einm top Finish und dank etlicher Carbonteile noch sehr leicht. Doch der extreme Leichtbau fordert leider auch Tribut in der Hinsicht, dass mit 2" Okularen Abstriche in der Stabilität gemacht werden müssen. So schwingt der Dobson mit einem 2" Okular doch sehr lange nach, etwas zu viel für meinen Geschmack aber das ist wohl oft der Fall bei solchen extremen Leichtbauten.
Ebenfalls prämiert der sehr stabile und gut durchdachte Astrostuhl von meinem Sternfreund Christian Liesegang. So lässt sich der Stuhl sowohl für aufrechte, sitzende Beobachtung, als auch für fast liegende Beobachtung mit Fernglas, kinderleicht und schnell verstellen. Die Konstruktion ist eine Kombination aus Multiplex-Holz und Aluminium, sowie blauen Schaumstoffpolstern auf der Sitz- und Rückenfläche, für einen bequemen Sitzkomfort. Zusammengelegt ist der Stuhl sehr kompakt und dabei auch noch sehr leicht.
Der dritte Hauptpreis ging an ein schönes Doppelfernrohr, bestehend aus zwei Telementoren aus Zeiss Jena Produktion. Bei der Konstruktion wurden sehr viele Bauteile aus dem Alltag verwendet, wie Klemptnerutensilien und Ähnliches, was dem Erbauer durch den Preisverleiher den scherzhaften Namen "Mac Gyver des Teleskopbaus" einbrachte!

    Was bleibt? Trotz allabendlich schlechten Wetters, welches leider keine Himmelsbeobachtung bei Nacht zuliess, war es trotz allem ein schönes Treffen mit vielen netten Gesprächen und auch einigen, schönen H-Alpha Beobachtungen der Sonne. Der scherzhaft Spruch die Abkürzung ITV steht für "Immer total verregnet" hat sich diesmal nur zur Hälfte bewahrheiten, nämlich nur nachts! Ich denke ich werde mal wiederkommen, dann hoffentlich auch mit der Chance andere Sterne, als die Sonne beobachten zu können.

    Clear Skies
    Thomas


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