okulartransmission

Transmission von Okularen

    Hintergrund

    Über die Transmission von Okularen wird oft viel spekuliert, Okulare mit wenigen Linsen haben meistens den Ruf eine bessere Transmission zu haben, als Okulare mit einer großen Anzahl von Linsen. Kein Wunder, spielt hierbei doch die Anzahl der Glas-Luft-Grenzflächen und deren Vergütung eine entscheidende Rolle. Doch lassen sich solche Aussagen bedenkenlos akzeptieren oder muss doch genauer differenziert werden? Um die Transmission verschiedenster Okulartypen genauer unter die Lupe zu nehmen, wurden daher die Transmissionen aller meiner Okulare bei drei verschiedenen Wellenlängen vermessen und miteinander verglichen.

    Messdurchführung

    Da die Okulare aufgrund ihrer fokussierenden Wirkung nur schwer in einen Spektrometer zu vermessen sind, wurden die Transmissionsmessungen bei drei verschiedenen Wellenlängen auf der optischen Achse durchgeführt. Als Strahlquellen wurden 3 Laserpointer bei den Wellenlängen 650 nm, 532 nm und 405 nm und Leistungen zwischen 1 und 5 mW verwendet. Die Leistung der jeweiligen Strahlquelle wurde jedesmal ohne Okular (Referenzmessung) und danach mit Okular im Strahlengang gemessen. Als Leistungsmessgerät wurde ein Ophir-PD300UV eingesetzt, welches im Wellenlängenbereich zwischen 200-1100 nm sensitiv ist. Die Transmission berechnet sich aus dem Verhältnis der Intensität mit Okular zu der ohne Okular. Der Fehler der Messung wurde als Standardabweichung der Mittelwerte der Referenzmessungen für jede Wellenlänge angesetzt und ergibt sich aus den Schwankungen der Intensitäten der einzelnen Laserstrahlquellen. Der Fehler in der Transmission ergibt sich durch die Fehlerfortpflanzung, wobei angenommen wurde, dass der Fehler bei der Messung identisch zum Fehler bei der Referenzmessung ist. Die Ergebnisse der Messungen sind in der folgenden Graphik dargestellt.



    Ergebnisdiskussion

    Zunächst muss gesagt werden, dass die Wellenlängen 650 nm (rot) und 405 nm (violett) für die visuelle Beobachtung nicht oder wenig von Bedeutung sind, da bei diesen Wellenlängen das menschliche Auge kaum empfindlich ist. Die gemessenen Transmissionen bei diesen Wellenlängen sollten somit auch nicht als Kriterium für die Qualität des Okulars herangezogen werden. Anders sieht die Sache bei 532 nm (grün) aus, wo beim Tagsehen fast maximale und beim Nachtsehen immer noch eine hohe Empfindlichkeit vorliegt.

    Auffällig sind die hohen Transmissionswerte der Ethos-Okulare bei 532 nm, die im Rahmen der Fehlergrenzen zwischen 96% und 100% liegen, enorm hohe Werte für Okulare mit 9 Linsen! Da die anderen beiden Wellenlängen hier meist deutlich niedrigere Transmissionswerte zeigen, kann wohl davon ausgegangen werden, dass Tele Vue die Vergütungen so optimiert hat, dass im Bereich hoher Empfindlichkeit des Auges die Transmission maximal wird, d.h. optimiert für visuelle Beobachtung.

    Dem gegenüber scheinen die Explore Scientific Okulare, welche als chinesische Kopie der Ethos gelten, abzufallen. Das ES 9mm kommt bei 532 nm nur auf etwa 92% Transmission.

    Sehr gute Werte zwischen 92% und 99% haben auch die Panoptic Okulare mit Brennweiten zwischen 15 und 24 mm, sowie das 31 mm T5 Nagler und das alte 4,8 mm T1 Nagler.

    Weniger überzeugen das Nagler T6 11 mm mit 90% und das alte Nagler T1 7 mm mit nur 85% Transmission.

    Doch was machen die "Weniglinser", wie die Kellner (3 Linsen), Plössl (4 Linsen) und eudiaskopischen (5 Linsen) Okulare?
    Die fünflinsigen Ultima Okulare (baugleich zu Baader Eudiaskopisch) zeigen im Grünen eine ordentliche Transmission zwischen 92% und 96%, fallen aber im Roten und Blauen deutlich ab. Dies lässt sie nicht so gut als Projektionsokulare erscheinen. Anders sieht dies bei dem dreilinsigen Kellner (übrigens einem No-Name Okular, welches dem PST beigegeben wird), es hat eine durchgängig gute Transmission um die 95%. So gesehen scheint das Okular für die Okularprojektion bei der Fotografie prädesteniert. Auch das Super Plössl 26mm aus der Meade 4000 Serie hat im Grünen und Roten eine ausgezeichnete Transmission, lediglich im Blauen leicht abfallend. Schlecht dagegen ein 10mm No-Name Plössl mit nur 85% im Grünen und nochmal deutlich weniger (ca. 65%) im Roten und Blauen.

    Fazit

    Die neuesten Okulare aus dem Hause Tele Vue scheinen bestens für das optimiert zu sein, für das sie gemacht sind, nämlich die visuelle und insbesondere die visuelle Deep-Sky-Beobachtung. Im Grünen haben die Ethos Okulare eine unglaubliche Transmssion von an die 100% und das trotz 9 Linsen! Die Explore Scientific Klone scheinen in dieser hinsicht nicht ganz so optimal zu sein, wobei ich hoffe hier nochmal das ein oder andere Okular zur Kontrolle dieser Aussage vermessen zu können. Die Panoptic Okulare und das T5 31mm Nagler des besagten Herstellers schneiden ebenfalls recht gut ab, weniger gut das T6 11mm Nagler und das T1 7mm Nagler.
    In der Tat recht gut ist ein dreilinsiges No-Name Kellner mit durchgängig guter Transmission um 95% und auch ein Meade Plössl der Serie 4000, wie für Weniglinser eigentlich auch zu erwarten. Hier scheint es aber unterschiede zu geben, da bei den weniger namhaften Herstellern wohl an den Kosten für die Vergütung der Linsen gespart wird.
    Interessant wäre zu wissen, wie die Transmission im Bereich 480-500 nm ausfallen würde, wofür dann aber ein Ar-Ionenlaser (488 nm) eingestzt werden müsste und der Aufwand damit schon deutlich anstiege weil im Labor gearbeitet werden müsste. Sollte ich irgendwann die Gelegenheit dazu haben, werde ich die Ergebnisse hier noch nachreichen.

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